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Ein Geschenk für Kap Verde –

Die Hundertwasser-Ausgabe

Einleitung

Die vom österreichischen Künstler Friedensreich Hundertwasser gestalteten Briefmarken für Kap Verde mit dem Titel „Vapor“ üben noch heute eine große Anziehungskraft für Philatelisten aus. 1982 erschien zunächst eine Briefmarke zu zehn Escudos, sie wurde aber rasch wieder vom Verkauf zurückgezogen. 1985 folgte schließlich eine Neuausgabe, diesmal mit einem Nennwert zu 30 Escudos. Außerdem wurden drei Blocks aufgelegt, die aber vorwiegend für den Kunstmarkt gedacht waren und bisher auf Bedarfspost nicht entdeckt werden konnten. Dieser Beitrag von der portugiesischen Arbeitsgemeinschaft zur Philatelie von Kap Verde beschreibt die teilweise noch ungeklärte Geschichte der Hundertwasser Ausgabe und ihre damalige Werbung.

Die Situation ist auf den ersten Blick etwas verworren: Nach ersten Angaben des MICHEL-Katalogs wurde die Briefmarke „Schifffahrt“ im Jahr 1983 „nicht ausgegeben“, der PALOP-Katalog von Afinsa nennt ebenso wie der damals als Agentur für Kap Verde aktive „Phila Service Austria“ (PSA) der österreichischen Staatsdruckerei als Ersttag den 24. April 1982 „in zwei Farbvarianten“, auf der Marke selbst ist aber das Ausgabejahr „ 1979″ zu lesen. Es sind sogar einige offizielle Ersttagsbriefe aus dem April 1982 verausgabt worden. Doch „später“ wurde die Ausgabe „seitens der Post vom Verkauf zurückgezogen“.1)

Die „Vapor“-Marke des österreichischen Künstlers Friedensreich Hundertwasser (1928 – 2000) mit dem Nennwert von zehn Escudos gehört zu den Briefmarken von Kap Verde, deren Hintergründe und Entstehungsgeschichte noch nicht vollständig aufgeklärt werden konnten.

Immerhin ist unstrittig, dass die Marke mit einem Aufdruck am 30.Oktober 1985 in einer hohen Auflage erschien und seitdem auch gültig ist.

Ohne Aufdruck wurde die Hundertwasser-Marke bereits 1982 verkauft, dann aber wieder zurückgezogen. Die Aufdruckmarke MiNr. 496 erschien am 30. Oktober 1985.

Doch der Reihe nach: Angeblich im Jahr 1973 – also noch zur Zeit der portugiesischen Kolonialherrschaft – besuchte der Künstler auf seinem Segelschiff „Regentag“ die kapverdischen Inseln.

Dort Kap Verde erkannte Hundertwassers „geschultes Malerauge die versteckten Reize dieser Insel(n). Er schuf dort – angeregt von dem Hafen und seinen vielen Schiffen – das Bild „Vapor“, das heißt, der Dampfer. Seine Anregung fiel bei den österreichischen Behörden auf fruchtbaren Boden und im Rahmen der (…) Entwicklungshilfe erschien die (…) Marke zu zehn Escudos.“

Eine andere Quelle berichtet, der damalige Generalsekretär der Vereinten Nationen, der Österreicher Kurt Waldheim, habe Friedensreich Hundertwasser um ein Bild zur Versteigerung im Rahmen einer Hilfsaktion für Kap Verde zum zehnten Unabhängigkeitstag gebeten. Hundertwasser habe daraufhin angeboten, eine Briefmarke zu gestalten und sie zum Vertrieb der Postverwaltung von Kap Verde zu überlassen, um so eine internationale Bewerbung des relativ unbekannten Landes und ein Vielfaches an finanziellen Einnahmen zu erzielen.

Es scheint, als ob die Kontakte von Kurt Waldheim in seine Heimat – und vielleicht auch zur ÖSD – für den Druck der „Vapor“-Marke in Wien ausschlaggebend waren. Die ÖSD erklärte, Hundertwassers „Liebe zu Kap Verde findet ihren Niederschlag in der Schaffung der Briefmarke ‚Vapor‘ (Dampfer).“

Weniger pathetisch formulierte es der PSA einige Zeit später: „Hundertwasser hat nach einem Besuch des Landes spontan den Entschluss gefasst, diesem armen Land einen Briefmarkenentwurf zu schenken. Diese Idee wurde vom österreichischen Bundeskanzleramt in die Praxis umgesetzt, indem die Mittel für die Produktion bereitgestellt wurden.“

Daraus folgt, dass die Marke zu zehn Escudos „im Rahmen der österreichischen Entwicklungshilfe für Kap Verde (…) produziert“ worden ist.

„Auflagezahlen gibt es keine, man dürfte bei der Post auch keine Aufzeichnungen über die verkauften  Mengen haben“, berichtete der PSA.

Nach  früheren Angaben der Österreichischen Agentur für Entwicklungszusammenarbeit soll Hundertwasser die Briefmarke „Vapor“ 1975 entworfen haben. Der Verkaufserlös sei dem Bau von Brunnen auf Kap Verde zu Gute gekommen.

Bisher ist völlig unklar, warum die offenbar 1979 in Wien gedruckte – und wohl schon als Geschenk gedachte – Briefmarke damals nicht erschien, sondern erst 1982 plötzlich auftauchte. Zum ursprünglich geplanten Ersttag wurde die kapverdische Post noch durch die kubanische Agentur COPREFIL beliefert, möglicherweise wehrte sich diese gegen die vielleicht unliebsame Konkurrenz aus Europa. Somit blieb die Auflage zunächst in Österreich, und auch der zweite Versuch einer Ausgabe im Jahr 1982 scheiterte vielleicht am Einspruch der Briefmarkendrucker in Havanna. Allerdings wurde zumindest eine Teilauflage der „Vapor“-Ausgabe im Frühjahr 1982 nach Praia geschickt, einige Exemplare konnten sogar dort verkauft werden. Vielleicht war aber auch der Nennwert zu niedrig für eine postalische Verwendung. Immerhin heißt es in einer Fußnote des MICHEL­ Katalogs: „Briefe mit MiNr. III sind bekannt, auch FDC mit Datum 24.4.1982.“ Zunächst hatte MICHEL das Ausgabejahr noch mit „1983″ angegeben, dann aber korrigiert. Der Afinsa-Katalog 1998 gibt sogar die Auflage mit einer Million Stück an. Vermutlich zog die kapverdische Post die Marke schnell vom Verkauf zurück, die Restbestände verblieben in Österreich.

Vor kurzem (28.11.2015 bei Ebay und Delcampe) wurden von einem privaten portugiesischen Anbieter zwei dieser FDC`s mit dem Ersttagsstempel aus Praia mit Datum vom 24.04.1982 angeboten und verkauft. Uns sind somit vier verausgabten FDC`s bekannt.

Ein Brief vom 7. Dezember 1982 aus Praia mit MiNr. III. Der Adressat ist unbekannt. Interessant ist dabei, dass ein staatliches Unternehmen nach mehr als ein halbes Jahr nach dem Ersttag eine (nicht) herausgegebene Briefmarke verwendete.

Erst nach dem Ende der Zusammenarbeit mit Kuba 1982/83 wurde die „Vapor“-Ausgabe wieder aktuell. Die Marke, deren Erscheinungsjahr im Neuheiten Teil der Deutschen­ Briefmarken-Zeitung mit „Dezember 1983″ angegeben wurde, soll angeblich  bereits 1982 in zwei Farbvarianten herausgegeben worden sein. Dies ist der MICHEL-Redaktion „bekannt“. Allerdings seien „die Farbunterschiede auf den uns von der österreichischen Staatsdruckerei zugesandten Exemplaren (…) aber so gering, dass eine Katalogisierung unserer Ansicht nach nicht gerechtfertigt ist“.

Zum Ersttag stellten die Münchener Katalogmacher fest: „Sicher ist, dass die Marke MiNr. III 1979 hätte erscheinen sollen, dass dies aber nicht erfolgte. Dass diese Marke später doch noch ausgegeben wurde, können wir zwar nicht ausschließen, halten es aber für unwahrscheinlich.“

Reinhard Küchler / Peter Zimmermann


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